Dietrich Bonhoeffers Bindung an die bekennende Kirche

Im Mai 1934 splittet sich eine Gruppe Christen von der Reichskirche ab und gründet die Bekennende Kirche. Bereits im Herbst des gleichen Jahres lehnt die neu gegründete Kirche jede weitere Zusammenarbeit mit der deutschchristlichen Kirchenleitung ab und bestellt ein eigenes vorläufiges Kirchenregiment.

Dieses Regiment forderte alle Gemeinden auf, sich zukünftig alleine an die Weisungen der Bekennenden Kirche zu halten.

Diese Kirchengemeinde erkannte für sich sehr stark das biblische Bekenntnis an, welches Bonhoeffer uneingeschränkt bejahte. Dieses brachte Bonhoeffer dazu, am 01. Januar 1935 die Stelle als Direktor des Predigerseminars in Berlin-Brandenburg anzunehmen. Seine Aufgabe war die Praktische Vorbereitung von 20 Theologiestudenten auf die Arbeit im Pfarramt.

Die Motivation zu dieser Tätigkeit begründeten sich weder in den akademischen, noch in den pastoraltheologischen Aspekten, statt dessen sah Bonhoeffer in dieser Tätigkeit den ersten Schritt zu einer wirklich erfüllten eigenen Existenz.

"Endlich begann er eine Arbeit, bei der es für ihn keine Vorbehalte mehr gab. In den vergangenen Jahren hatte ihn der Gedanke nicht losgelassen, die eigentliche Aufgabe seines Lebens habe er noch nicht gefunden. Nun bot ihm der neue Beruf die Gelegenheit, zu tun, was er ersehnte. "(Bethge, S. 481)

Das Ziel Bonhoeffers war es, eine Kirche ohne rechtliche und politische Sicherungen und ohne den volkskirchlichen Hintergrund entstehen zu lassen. Um dieses Ziel zu erreichen mußte Bonhoeffer im Predigerseminar eine sehr starke Risikobereitschaft und Gruppendynamik heraus kristallisieren. Da Bonhoeffer das Ziel der unabhängigen Kirche sehr stark verfolgte, war es für ihn eine große Herausforderung diese Eigenschaft bei den jungen Theologen zu

bestärken.

"In der Bekennenden Kirche hatte Bonhoeffer die Realität gefunden, die ihm seine Identität sozial vermittelte. Seine Haltung und seine theologische Argumentation entsprachen dieser Grunderfahrung. Er konnte nicht anders denken." (vgl. Gremmels, S. 60ff)

Bis zur Aufnahme seiner Arbeit im Predigerseminar war Bonhoeffer im Umgang mit anderen Menschen ein wenig starr und unbeweglich. Er hatte keine Freundschaften zu Menschen seiner Altersklasse und auch zu den jungen Menschen im Predigerseminar hielt er eine gewisse Distanz. Nur zu Eberhard Bethge, einem Schüler seines Predigerseminars, entstand eine tiefere Freundschaft. Durch diese Freundschaft wurde Bonhoeffer in seinem Wesen lockerer, und für die Studenten entwickelte sich das Predigerseminar von einer Gefolgschaft zu einer freien Entfaltung.

Beide, sowohl Bonhoeffer als auch Bethge haben durch ihre Freundschaft sehr viel voneinander gelernt und profitiert.

Dieser Zeitabschnitt war sowohl für Bonhoeffer persönlich als auch für seine theologische Arbeit von großer Bedeutung. Man kann sagen, daß er dort zu sich selbst und zu seiner Heimat gefunden hat.

"Solches Heimweh kann wohl nur haben, wer wirklich "heim"-gefunden hat. (vgl. Gremmels, S. 71)

 

Quelle Text: Gremmels/Pfeiffer; Theologie und Biographie "Zum Beispiel Dietrich Bonhoeffer"; Chr. Kaiser-Verlag München, 1983

Quelle Text: Bethge; Dietrich Bonhoeffer "Eine Biographie" Chr. Kaiser, Gütersloher Verlagshaus, 8. Auflage 1994

Quelle Bild: Bilder aus seinem Leben; Chr. Kaiser-Verlag München, 1987