Lokales 
Euro - Was denken die Unternehmen?

Um diese Frage beantworten zu können, haben wir, von Eurovision, keine Kosten noch Mühen gescheut.Wir haben uns auf den Weg gemacht, um Industrieunternehmen und Kreditinstitute zu fragen, zum Thema EURO zu interviewen. Einen Anhaltspunkt bei der Befragung boten die von uns erstellten Fragebögen. Damit Sie als Leser einen Einblick in unsere Befragung erhalten, haben wir ein geführtes  Interview veröffentlicht.
 

  Interview mit einem hiesigen Kreditinstitut

EuroVision: „Wie bewerten Sie eine künftige einheitliche europäische Währung?"

Abteilungsleiter: „Ich denke, daß die Währungsunion eine große Chance für die gesamte Volkswirtschaft sein wird, daher bewerte ich die kommende Währungsunion recht positiv.Bedingung für den Erfolg ist allerdings die Einhaltung des Maastrichter Vertrags, daß heißt der Konvergenzkriterien zum Start, welche allerdings auch in Zukunft eingehalten werden müssen."

EuroVision: „Wie beurteilen Sie die Chance, daß die Europäische Währungsunion pünktlich am 01.01. 1999 startet?"

Abteilungsleiter:"Zu fast 100%, würde ich sagen, genauergenommen zu 80%. Ein Hindernis für den pünktlichen Start, wäre die Forderung des Streits über die Konvergenzkriterien. Allerdings ist der politische Wille Frankreichs und Deutschlands im Hinblick auf die Währungsunion größer als allgemein bekannt. Von daher sehe ich hierbei keine Probleme."

EuroVision: „Bereiten Sie sich mit Ihrem Unternehmen auf die geplante EWWU bereits vor? (Wenn ja, wie? Personalschulung?)

Abteilungsleiter: „Ja, bereits seit einem Jahr werden Personalschulungen durchgeführt und vor allem die EDV wird schon seit 1 ½ Jahren für die Währungsunion umgerüstet. Auch für die Kunden werden Informationsabende veranstaltet, sowie Informationsbroschüren, die für alle unsere Kunden erhältlich sind."

EuroVision: „In welchen Bereichen Ihres Unternehmens erwarten Sie Veränderungen durch die Einführung der gemeinsamen EWWU?"

Abteilungsleiter: „Zunächst im Bereich der strategischen Umsetzung werden Veränderungen stattfinden, da nur noch ein Markt besteht. Das bedeutet, daß eine Veränderung des ganzen Marktverhaltens aufgrund der kommenden Preistransparenz stattfinden wird und durch starke Wettbewerbsauswirkungen verstärkt wird. Das Länderdenken wird wegfallen, während die Branchen als solche in den Vordergrund treten werden. Besonders die Parallelphase(EURO <> nationale Währung) im Bereich der EDV wird zusätzliche Schwierigkeiten, sowie Kosten verursachen. Im organisatorischen Bereich müssen Vordrucke, Prospekte und Preistabellen erstellt werden."

EuroVision: „Wie würden Sie den Stand der Vorbereitungen Ihres Unternehmens im Hinblick auf die EWWU insgesamt beurteilen?"

Abteilungsleiter: „Den Stand der Vorbereitungen würde ich als gut beurteilen. Wir haben schon vor 2 Jahren angefangen uns intensiver mit der Währungsunion zu befassen. Seit 1 ½ Jahren wird an der EDV gearbeitet und seit einem Jahr führen wir Personalschulungen durch."

EuroVision: „Bitte nennen Sie 3 Bereiche, für die Sie die größten Umstellungsschwierigkeiten bei der Einführung der EWWU sehen? Inwieweit fallen zusätzliche Kosten an?"

Abteilungsleiter: „Die größten Umstellungsschwierigkeiten entstehen bei der Kundenberatung, bei der EDV und der Ausarbeitung der Strategie. Insbesondere in der Kundenberatung werden Kosten anfallen, da die Kunden wellenförmige Anfragen bezüglich des EURO haben. Durch diesen unabsehbaren Zeitaufwand kommt unser Kreditinstitut sehr unter Zeitdruck. Außerdem wäre die Umstellung viel preiswerter und einfacher, wenn die Parallelphase wegfallen würde und somit auch die doppelte Preisauszeichnung."

EuroVision: „Wie sehen Sie die Zukunft der Wechselstuben?"

Abteilungsleiter: „Für die Wechselstuben sehe ich eher schwarz, da das Wechseln von Banknoten in den Teilnehmerländern in Zukunft völlig wegfallen wird. Auch für das Kreditinstitut fällt eine Einnahmequelle weg."

 

Auswertung der Befragung

Die Vorbereitungen auf den EURO sind bei den von uns befragten Unternehmen und Kreditinstituten im Kreis Lippe sehr weit fortgeschritten.Im Handel allerdings wartet man auf Anwei-sungen der Zentralen und läßt die EWWU auf das Unternehmen zukommen.Alle befragten Industrieunternehmen und Kreditinstitute bestätigten Projektteams gegründet zu haben.Die Chancen für einen pünktlichen Start am 01.01.1999 werden als hoch eingeschätzt. Eine einheitliche europäische Währung wird überwiegend als positiv empfunden. Allerdings werden auch negative Auswirkungen gesehen. Veränderungen werden vor allem in der EDV (Geldautomaten, Scanner-Kassen, Kassenwaagen, PCs, etc.) erwartet. Häufig werden auch technische Schwierigkeiten erwartet, wie beim Zahlungsverkehr und im Rechnungswesen. Im Großen und Ganzen werden keine verstärkten Konkurrenzkämpfe befürchtet, lediglich seitens der Großunternehmer, da sie aufgrund einer höheren Preistransparenz eher Nutzen daraus ziehen können. Der Vorteil für die Großunternehmer besteht darin, daß trotz höherer Transportkosten einige Produkte im Ausland preiswerter sind als auf dem deutschen Markt.Die Unternehmen sind mit der Beratung ihrer Hausbank zufrieden, wobei man berücksichtigen muß, daß sie ausschließlich Hilfestellung geben können,aber keine volkswirtschaftlichen Strategien entwerfen können.

 
FAZIT: Der EURO ist zwar mit hohen Kosten und einem immensen Arbeitsaufwand verbunden, dennoch überwiegen langfristig die Vorteile.Diese ergeben sich aus dem Wegfall der währungsbedingten Handelsschranken und der Stärkung des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts.Wir danken unseren Gesprächspartnern für ihre Hilfsbereitschaft.
 

Welche Auswirkungen hat der EURO auf den Bürger ?
Durch die geplante einheitliche Währung ergäbe sich für den Bürger ein wesentlicher Vorteil. Bei Reisen ins europäische Ausland würden lästige Tauschaktionen entfallen und er kann Preise leichter miteinander vergleichen.Ansonsten soll sich bei der Einführung des EUROS für den Bürger nur das visuelle Erscheinungsbild ändern, da das Geld durch einen konstanten Faktor umgerechnet werden soll ( z.B. 1:1,85 ). 

Der Verbraucher wäre in der Lage, selbst zu kontrollieren, ob bei der Umstellung versucht wird, die Preise durch aufrunden zu erhöhen. Durch ungerade Beiträge würde auf- bzw. abgerundet werden. Da der Wettbewerb jedoch sehr scharf ist, wird tendenziell eher nach unten korrigiert werden. Dies würde sich für den Bürger vorteilhaft auswirken, weil die Preise dadurch sinken.

Es soll aber keine Korrekturen bei Löhnen, Krediten, Zinsen, Guthaben und Prämien von z.B. Lebensversicherungen oder Autohaftpflicht geben. Es bestünde keine Gefahr eines geringeren Einkommens. Zwar sähe die Gehaltsabrechnung optisch niedriger aus, dem stünden jedoch auch niedrigere Preise für Konsumgüter ( Lebensmittel, Elektrogeräte, Kleidung usw. ) gegenüber. Die Kaufkraft und das Realeinkommen blieben also unverändert. 

Der Wert von Sparguthaben, Bausparverträgen, Krediten und Lebensversicherungen bliebe gleich, da sie ebenfalls mit dem festgelegten Faktor umgerechnet würden. Bausparen wäre also auch vor der Währungsunion eine lohnende Investition, da sowohl die Sparsumme als auch das Darlehen angeglichen werden sollen. Selbiges ist für Immobilien geplant, so daß dem geplant Hausbau nichts im Wege stünde. 

 

Kommentar 
   "Geht lieber in die Schule oder studieren!" - "Kohl braucht nur seinen Heiligenschein" "Ich fahr nicht in den Urlaub" - "Soll ich fürs Photo die Mütze abnehmen?" Solche und andere mehr oder weniger nützliche Kommentare prägten unsere Umfrage in der Detmolder Fußgängerzone.Daß der Euro noch lange nicht in aller Munde ist und auch noch nicht geklärt ist wer oder was er eigentlich ist, beweisen uns Desinteresse und sture Ignoranz bei den Befragten.

Immerhin 40% der Passanten deuteten mit einem Schulterzucken an, daß sie absolut keine Ahnung hatten.

„Ende 2001 kann man glaub’ ich bezahlen?" - 34% enttäuschten wenigstens bei dieser Frage nicht. Auffällig hierbei war, daß 87,5% weiblichen Geschlechts diese Frage richtig beantworteten, währen nur klägliche 12.5% der Herren der Schöpfung die Ehre hochhielten.

Das sture Ignoranz und Unwissenheit über den Euro Hand in Hand gehen, war eines der Resultate unserer Befragung.„Geht lieber in die Schule - oder studieren!" ist ein klarer Beweis dafür, daß der Euro nicht unbedingt für jedermann interessant ist.

Wundert man sich da noch, daß kaum einer Bescheid weiß, was in puncto Finanzen des Bundesbürgers geschieht?

Christiane Bergmann

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